"Wir müssen uns nützlich machen"

Syrischer Zahnarzt unterrichtet ehrenamtlich Flüchtlinge

Als Sarbast Mohamad zum ersten Mal vor seinen Schülern steht, fragt ein junger Mann: „Wieviel bekommen Sie für eine Stunde Sprachunterricht.“ Der aus Syrien stammende Zahnarzt reagiert schlagfertig: „Zwei Millionen Euro.“ Er gehört zu den etwa zehn ehrenamtlichen Sprachlehrern des Herzberger Flüchtlingshilfevereins.

 

Der Vierzigjährige lebt seit gut einem Jahr in Herzberg. Kürzlich hat er seinen B2-Abschluss in Deutsch gemacht. Nun unterrichtet er seine Landsleute im Flüchtlingsheim Leipziger Straße. Der kleine Meeting-Raum, der hauptsächlich zur Schulungszwecken genutzt wird, ist proppevoll. Die meisten Flüchtlinge sind junge Erwachsene, auch Frauen und Kinder. Knapp 25 Personen. Manche müssen stehen. Sie alle wollen vor allem die Kommunikation trainieren. Für sie ist es ein Glücksfall, die ersten Grundlagen des Deutschen von einem arabisch sprechenden Lehrenden vermittelt zu bekommen. Das ist selten aber äußerst effektiv. Das Kommunikationstraining hat Tempo,

konzentriert und aufmerksam ziehen die Schüler mit.

 

„Die Teilnehmer in meinem Kurs saugen die deutschen Wörter und Sätze auf, wie Blumen das Wasser. Sie sind sehr aktiv und staunen darüber, wie schnell wir Fortschritte machen“, zeigt sich Sarbast Mohamad zufrieden. Neben den sprachlichen Grundlagen vermittelt er gern Wissenswertes über Deutschland. Beispielsweise, dass nur bescheinigte Fähigkeiten zählen. Ausbildungen und

Abschlüsse müssen nachweisbar und von den Behörden anerkannt sein. „Wir müssen viel miteinander reden. Einerseits, um die Sprache zu lernen, andererseits, um uns auszutauschen. Die meisten Missverständnisse entstehen durch fehlendes Wissen über einander und durch mangelhafte Kommunikation“, weiß der Zahnmediziner aus eigener Erfahrung.

 

Er selbst wartet auf einen Seminarplatz in einem Vorbereitungskurs zur Approbationsprüfung für Zahnmediziner. Er hofft, möglichst bald in die Arbeitswelt einsteigen zu können. Bis es soweit ist, geht er seiner ehrenamtlichen Lehrtätigkeit nach. „Er wäre gut, wenn die Flüchtlinge selbst aktiver werden würden. Es ist an der Zeit, dass sie mehr Verantwortung übernehmen und sich in die neue Gemeinschaft einbringen. Wir müssen uns nützlich machen“, lächelt er und richtet den Blick auf seine drei Kinder. „Wenn manchmal die Hürden riesig erscheinen und auch bei mir Ungeduld aufkommt, denke ich an meine Kinder. Seitdem sie vor acht Monaten nach Deutschland gekommen sind, haben Sie eine Zukunft. Alles Neue nehmen sie spielerisch auf und lernen dabei mit großer Freude. Das ist mir Vorbild.“, lässt der Neu-Herzberger zuversichtlich verlauten.

 

Stephanie Kammer

 

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